Geschichte der Musikkapelle Oetz

Die Gründung

Musikkapelle in den 1910er Jahren
Musikkapelle in den 1910er Jahren

Die Gründung der Musikkapelle Oetz – „einer Musikgesellschaft“ – fällt nach alten Überlieferungen in die Jahre 1820 – 1824.

„Als Feindliche Truppen nach Oetz kamen, brachten sie eine Musikkapelle mit; da staunten die Leute, denn sie sahen und hörten die erste Blechkapelle.“

Volksschuldirektor Jusef Kuen
Es war dies die erste Anregung zur Gründung einer Dorfmusik. So schrieb VD Josef Kuen vor 50 Jahren in seiner Oetzer Chronik.

Die überlieferten Zeitangaben – ein Dokument über die Gründung ist leider nicht auffindbar! – könnten aus mehreren Gründen gut stimmen. Sicher hat der nach der schweren Last der Freiheitskriege langsam wieder ins Land ziehende wirtschaftliche und kulturelle Aufschwung es ermöglicht, sich der Musik zuzuwenden. Der Ankauf von Instrumenten war auch damals nicht billig. Vielleicht war die Begegnung mit einer Militärkapelle für musikalische Leute unserer Gemeinde eine Anregung, selber eine Kapelle zu gründen! Jedenfalls entstanden in der damaligen Zeit in vielen Orten Musikkapellen.

Den ersten sichtbaren Beweis der Existenz der Musik finden wir in den Tagebuchaufzeichnungen des Lehrers Andreas Hail (1810-1901) aus dem Jahre 1848. Er stand damals mit einer Ötztaler Schützenkompanie als Hauptmann 51 Tage an der Südgrenze Tirols. Wegen der Schäden, die der Ausbruch des Vernagtferners am 14.6.1848 angerichtet hatte, wurde die Ötztaler Kompanie in die Heimat entlassen und erreichte am 25.7. Oetz. Er schreibt darüber: „Am Ende des Waldes außer der Brunnau wurden wir freudigst von der Oetzer Musik empfangen. Mit dieser Musik zogen wir unter Böller Knall in Oetz ein, erwartet von einer großen Volksmenge.“

Leider reicht das älteste vorhandene Verkündbuch der Pfarre Oetz nur bis ins Jahr 1872 zurück. Darin wird in einer Eintragung vom 30.5.1872 die Musikkapelle Oetz in der Einladung zur Fronleichnamsprozession erwähnt: „Nach dem Gottesdienst feierliche Prozession, wozu die Musikanten, Schützen und Kranzljungfrauen zahlreich zur Ehre Gottes und des allerheiligsten Altarssakramentes in üblicher Ordnung zu erscheinen eingeladen sind.“ Aus dieser Eintragung und den alljährlichen Wiederholungen erkennt man, dass die Kapelle bei den kirchlichen Feiern eine wichtige Rolle gespielt hat.

Ein schwieriger Neuanfang

Musikkapelle in den 1940er Jahren
Musikkapelle in den 1940er Jahren

Eine schwierige Zeit ist für die Musikkapelle nach dem 2. Weltkrieg angebrochen. Der langjährige Kapellmeister Anton Neurauter war in der Zwischenzeit gestorben, einige Musikanten im Feld geblieben oder noch in der Gefangenschaft. Ein Neuaufbau der Kapelle war notwendig.

In dieser Zeit sammelten sich um Kapellmeister Ferdinand Grießer die Musikanten der Vorkriegszeit. Daneben wurde unter harten Bedingungen mit dem Unterricht der Jungmusikanten begonnen. Ferdinand Grießer übernahm den Unterricht in Oetz, Walter Fischer bildete die Auer Musikanten aus.

Er wusste zu berichten, dass von der ersten Gruppe 14 Musikanten bald mitwirkten, von einer zweiten Gruppe waren es immerhin neun neue Musikanten. Von den Bedingungen hat man heute kaum eine Vorstellung; es fehlte an allem: Instrumente, Trachten, Noten. Die Trachten wurden teilweise von den Schützen geliehen, was bei Gelegenheiten, wo beide Vereine ausrücken sollten, zu Engpässen führte.

Im Jahre 1946 wurde der damalige Bürgermeister Alois Schmid zum Obmann gewählt, der die Kapelle viele Jahre mit großer Umsicht führte. Die Kapelle nahm unter der musikalischen Leitung von KM Ferdinand Grießer und dem Obmann Alois Schmid bald einen großen Aufschwung. Groß war die Freude, als die Musik am Letzten Frauentag (Maria Geburt) 1946 zum ersten Mal bei der Prozession wieder aufmarschieren konnte und nachher ein Konzert geben konnte.

Musikkapelle und Fremdenverkehr

Musikkapelle in den 1965er Jahren
Musikkapelle in den 1965er Jahren

Die Musikkapelle tritt bei Veranstaltungen für die Feriengäste in Erscheinung. Dabei steht das wöchentliche Platzkonzert im Mittelpunkt des Interesses.

Bei Durchsicht alter Protokollbücher und Jahresrechnungen des Verschönerungsvereines des Vorläufers des heutigen Tourismusverbandes findet man stets anerkennende Worte der Funktionäre über die Konzerttätigkeit der Kapelle.

In den frühen 30er Jahren war die Entschädigung der Musik mit Ös 500,- einer der größten Ausgabeposten in der Jahresrechnung.

Ältere Musikanten berichteten, dass die Musikkapelle sogar zweimal in der Woche ein Konzert gegeben habe. Der Gast will die Kultur seines Urlaubsortes kennen lernen.

Der Tourismusverband unterstützt die Kapelle im Rahmen seiner Möglichkeiten mit einer Subvention.

Musik in der Kirche

Musikkapelle in den 2000er Jahren
Musikkapelle in den 2000er Jahren

Die Mitwirkung der Musikkapelle bei kirchlichen Feiern war schon seit frühester Zeit und ist heute noch eine wichtige Funktion. Die ganze Kapelle oder kleine Bläsergruppen treten dabei in Erscheinung.

Großen Anklang bei der Bevölkerung findet die Gestaltung der Messe von der ganzen Kapelle, die vor allem bei Feiern vorgenommen wird z.B. Florianifeier, Cäcilienfeier.